Art & Design

September 4, 2017

Auf der Suche nach den brutalistischen Häusern der Welt

Das besondere Hobby eines Modefotografen

  • Von Anastasiia Fedorova

Der französische Fotograf Julien Boudet ist unter seinem Pseudonym Bleu Mode vor allem für seine Modefotografie bekannt. Und doch offenbart sein besonderer Blick für Volumen, Strukturen und skulpturale Formen seine wahre Leidenschaft – Architektur.

Wie viele andere Fotografen aus der Modewelt ist Boudet in den vergangenen drei Jahren fast non-stop gereist und ist selten länger als 2-3 Wochen an einem Ort gewesen. Seine freie Zeit hat er genutzt, um die Städte zu erkunden, und so wurde aus seinen Reisen schließlich die ultimative Suche nach den modernistischen und brutalistischen Schätzen der Welt. Er hat die architektonischen Wunderwerke in zahlreichen Städten fotografiert, unter anderem in London, Marseille und LA, Montreal, Taipei, Kobe in Japan und Almaty in Kasachstan.

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Kasachstan

In einer Kollaboration mit dem Label STAMPD (das Chris Stamp gehört, der Boudets Interesse für Architektur teilt) hat er jetzt ein Fotobuch mit all seinen Bildern zusammengestellt. Seine Fotos sind eine faszinierende Reise durch die praktischen und doch beeindruckenden Linien, Kurven und Ideen des modernistischen Erbes.  

Woher kommt dein Interesse für Architektur?
Nachdem ich im Sommer 2008 nach New York gezogen bin, habe ich mich das erste Mal bewusst für Architektur interessiert. Ich habe mehr auf die Gebäude um mich herum, das Design, die Materialien und die Details geachtet. Als ich ein paar Jahre später die Designschule Parsons besucht habe, wuchs mein Interesse, je mehr ich über Architektur las, und ich eignete mir schnell ein fundiertes Wissen über die modernistische Bewegung an, vor allem über den Brutalismus.  

Ich bin oft einfach durch New York spaziert und habe mit meiner Toyo Großbildkamera, die ich in der Schule ausgeliehen hatte, Gebäude fotografiert. Ich habe viel im Standard Hotel im Meatpacking District geübt, weil das in der Nähe der Parsons lag, und die Kameras nicht so leicht zu transportieren sind. Nachdem ich die Schule abgebrochen und in Vollzeit als Freelancer gearbeitet habe, bin ich beruflich sehr viel rumgekommen in der Welt und begann, überall wo ich war, Gebäude zu fotografieren. Aus praktischen Gründen habe ich aber zu 35mm Film und 120 Film Kameras gewechselt.

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Marseille

Wie findest du Zeit dafür, die architektonisch interessanten Gebäude in den jeweiligen Städten ausfindig zu machen und sie zu fotografieren? Und wie suchst du am liebsten?
Als Erstes informiere ich mich schon vor der Reise online. In der Stadt fahre ich einfach mit dem Auto durch die Straßen und erkunde sie so, wie es kommt – so kann man Gebäude entdecken, die noch nicht so oft fotografiert wurden.

Zum Beispiel die Hauptstadt von Georgien, Tiflis. Als ich mit all den beliebten Gebäuden durch war, die man in den Stadtführern und online findet, bin ich einfach umher gefahren und habe die Bewohner der Stadt nach guten Tipps gefragt, um sicherzustellen, dass ich nichts verpasst habe. Und tatsächlich hätte ich ein paar großartige Gebäude nie zu Gesicht bekommen, wenn ich mich nur an die Ratschläge aus dem Internet gehalten hätte. In meinem Notizbuch gibt es außerdem eine Liste mit Orten, an denen ich mal gerne fotografieren will, größtenteils in Ländern, in denen ich noch nicht gewesen bin. Sobald sich also eine Gelegenheit ergibt, dorthin zu reisen, weiß ich, wohin ich möchte.

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Tiflis

Warum fotografierst du Architektur am liebsten auf Film?
Es verleiht dem Bild etwas besonderes, ein anderes Gefühl. Und da die Motive selbst beispielsweise im Gegensatz zur Modefotografie meistens nicht sehr bewegend sind, nehme ich mir gerne mehr Zeit, um die richtigen Winkel zu finden, mich auf interessante Details zu konzentrieren und das Bild richtig zu belichten. Außerdem wirken diese Fotos dadurch auch viel authentischer; ich bin sowieso kein Fan der Digitalfotografie.

Gibt es unter den Dingen, die du fotografiert hast, ein Lieblings-Gebäude oder einen Lieblingsort?
Eine schwierige Frage. Und doch würde ich mich für dieses ganz besondere Gebäude entscheiden, dass ich in Almaty in Kasachstan abgelichtet habe – das war das bisher beeindruckendste Bauwerk, das ich fotografiert habe. Gefunden habe ich es auch wieder mal rein zufällig, als ich durch die Vorstädte gefahren bin. Ein anderer Favorit, der aber in dem neuen Buch nicht zu sehen ist, ist die “Cité Radieuse“ in Marseille von Le Corbusier. Es ist ein magischer Ort, direkt im Zentrum der Stadt. Es ist selbst wie eine eigene kleine Stadt. Ich komme ja aus Südfrankreich und fahre oft dorthin, um einen Kaffee zu trinken. Es ist ein sehr inspirierendes Konzept und ich kann mich dort perfekt entspannen. 

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Durban

Credits:

Text: Anastasiia Fedorova

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