Art & Design

November 21, 2016

Das Beste der Paris Photo-Fotomesse

Anlässlich der 20. Ausgabe der weltgrößten Fotografie-Messe, die letzte Woche ihre Türen geöffnet hat, stellen wir euch sieben der wichtigsten Arbeiten vor

  • Von Brooke McCord
Station CIDP #2, Ségou, Mali, Fevrier 2012 © François-Xavier Gbré

Station CIDP #2, Ségou, Mali, Fevrier 2012 © François-Xavier Gbré

Letzte Woche ging in Paris die Photo Paris, die weltweit größte internationale Kunstmesse für Fotografie, über die Bühne. Im Pariser Grand Palais tummeln sich nun die Kunstliebhaber, Sammler, Fachleute und Händler. Sie alle feiern die 20. Ausgabe einer Messe, die wiederum die Fotografie in all ihren Formen zelebriert, angefangen bei Vintage-Fotos bis hin zu modernen Arbeiten. Aus 153 Galerien, die zahlreiche Fotografen vertreten, stellen wir dir sieben der bedeutendsten Künstler dieses Jahres vor.

Thierry Struvay
Thierry Struvay ist nicht einfach nur Fotograf. Vor über 30 Jahren hat er damit angefangen, sich auf Flohmärkten in Belgien und den USA durch Kisten anonymer, ungewollter Fotos zu wühlen und ist seitdem auch begeisterter Foto-Sammler.

Thierry Struvay, 1961, Belgium, Sorry We’re Closed Gallery

Thierry Struvay, 1961, Belgien, Sorry We’re Closed Galerie

Durch seine jahrelange Übung und Erfahrung hat Struvay längst ein Auge dafür, einen einzigartigen oder magischen Moment sofort zu erkennen und ein vergessenes Familienfoto in ein Kunstwerk zu verwandeln, das in den berühmtesten Galerien der Welt hängt und somit von allen bestaunt werden kann. Von archetypischen amerikanischen Szenen über exotische Landschaften bis hin zu völlig überraschenden Augenblicken–sie alle sind dank dem Kamerablitz verewigt worden. Die einzigartige Sammlung, die Struvay über die Jahre angehäuft hat, ist Anfang dieses Jahres bereits im Rahmen seiner Einzelausstellung in der Brüsseler Sorry We’re Closed Galerie zu sehen gewesen.   

Alex Webb
Alex Webbs Foto mit dem Titel Tehuantepec hat er 1985 in Mexiko aufgenommen und später erschien es auch in The Suffering of Light, der ersten umfassenden Monographie der Arbeiten des erfolgreichen Fotografen.

Alex Webb, Tehuantepec, Oaxaca, 1985, Robert Klein Gallery

Alex Webb, Tehuantepec, Oaxaca, 1985, Robert Klein Gallery

Seine Fotos bewegen sich zwischen den Genres Dokumentation, bildende Kunst und Straßenfotografie. Viele von Webbs ikonischen Bildern wurden bereits weltweit an den unterschiedlichsten Orten ausgestellt, und durch seine umfangreiche Erkundung des Zusammenspiels aus Lichts und Farben hat er sich seit den 1970er Jahren als Wegbereiter der amerikanischen Farbfotografie einen Namen gemacht.

Seine Porträts von Menschen auf den Straßen Mexikos zwischen 1975 und 2007 waren erst diesen September in New York Thema einer Ausstellung namens La Calle. In Zusammenarbeit mit der Televisa Foundation wurde zudem auch ein Buch veröffentlicht, das auf der Paris Photo in der Robert Klein Galerie zu sehen sein wird.

Fred Herzog
Der in Deutschland geborene Fotograf Fred Herzog ist vor allem für seine Dokumentation des Lebens in Vancouver bekannt. Als Herzog während des Zweiten Weltkriegs aus Deutschland vertrieben wurde, sammelte er zunächst als medizinischer Fotograf erste Erfahrungen.

FRED HERZOG paris-cafe-1959

Später verlegte er dann seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Arbeiterklasse und ihre Beziehung zur Stadt um sie herum. Auf dem Foto Paris Café ist ein Mann an Weihnachten im Fenster eines Cafés zwischen den Weihnachtsdekorationen zu sehen, auf anderen Fotos zeigt er uns das Innere von Friseur-Salons und Pfandleihhäusern, Vancouver bei Nacht, verblasste Kriegspropaganda und kleine Lebensmittelläden aus der Nachkriegszeit.

Gina Pane
Gina Pane ist eine radikale französische Künstlerin, die sich des Körpers bedient, um Themen wie Unbehagen, Erfahrung und Mitgefühl zu erkunden. Als Gründerin und führendes Mitglied der Art Corporel–der Body Art-Bewegung im Frankreich der 1970er Jahre–ist Pane dafür bekannt geworden, sich als Künstlerin selbst körperliche Schmerzen zuzufügen.  

gina

Gina Pane, Psyché, 1974, Richard Saltoun Gallery

Für ihre Performance Psyché aus dem Jahr 1974 (die das Foto-Trio gebildet hat, das hier zu sehen ist) hat Pane sich vor einen Spiegel gestellt und sich selbst mit einer Klinge ihr Gesicht, ihren Bauch und die Haut unter ihren Augenbrauen aufgeschlitzt, wodurch sie aussah, als würde sie Tränen weinen. In anderen Arbeiten hat sie sich Rosendornen in ihre Arme gedrückt, ihre Haut mit Kerzen angebrannt–all das in dem Bestreben, im Zuschauer durch ihren körperlichen Schmerz Unbehagen und Mitgefühl hervorzurufen.   

Helga Paris
Die deutsche Fotografin Helga Paris hat den Alltag in Westdeutschland in den frühen 1980er Jahren festgehalten. Nachdem sie am Ende des Zweiten Weltkriegs von ihrem Vater getrennt wurde und bevor sie von ihrer Mutter in einer fast ausschließlich weiblichen Gemeinschaft aufgezogen wurde, lebte sie eine Zeit lang bei ihrer Tante, die sie in die Welt der Fotografie einführte.

1775_5_H.Paris_02_web_2550pixel

Sie ist vor allem für ihre Dokumentation der Ostberliner Industriestadt Halle bekannt. Die Fotoreihe war das Ergebnis einer Gruppe von Fotografen und Künstlern, die sich zusammengetan hatten, um systematisch das Leben in Westdeutschland zu dokumentieren.  

Francois-Xavier Gbré
Der Franzose lebt und arbeitet an der Elfenbeinküste, und seine auf der diesjährigen Fotografie-Messe gezeigten Werke befassen sich mit der Geographie Westafrikas zwischen 2011 und 2015–angefangen bei Erinnerungen und der Erkundung postkolonialer Landschaften bis hin zu denen, die von aktuellen Ereignissen neu definiert wurden.

Appartement du directeur I, Imprimerie Nationale, Porto Novo, 2012 Tracks series © François-Xavier Gbré

Appartement du directeur I, Imprimerie Nationale, Porto Novo, 2012. Tracks series © François-Xavier Gbré

Seine Ästhetik setzt sich mit der Entwicklung lokaler architektonischer Formen auseinander, hat aber dennoch eine universelle Anziehungskraft. Das Foto Station CIPD #2 (Foto ganz oben) hat er an einer verlassenen Tankstelle in Ségou, Mali, aufgenommen, es sieht aber durch seinen Blick wie ein wunderschönes, buntes Denkmal aus.  

Martin Parr
Das Foto aus der Reihe Small World–eine Sammlung von Fotos, die im Zeitraum zwischen 1987 und 1994 aufgenommen wurden–zeigt den Eiffelturm in Las Vegas und ist Teil einer Reihe, in der der berühmte britische Fotograf Martin Parr einen satirischen Blick auf den weltweiten Tourismus wirft.

Martin Parr, Las Vegas, Small World, 2000. Janet Borden Gallery

Martin Parr, Las Vegas, Small World, 2000. Janet Borden Gallery

Die Motive auf den anderen Fotos aus Small World reichen von Touristen in Plastik-Regenjacken, die durch den Markusdom in Venedig marschieren, bis hin zu klischeehaften britischen Passagieren, die auf einem Flughafen in Teneriffa auf ihren Rückflug warten. Auf seinen Foto dokumentiert Parr den Verlust authentischer Kulturen, nach denen die Touristen so verzweifelt suchen. Small World ist somit ein weiteres Beispiel seiner innovativen Herangehensweise an die sozialdokumentarische Fotografie. Es gelingt ihm, Fotos zu schießen, die gleichzeitig witzig, absurd, invasiv, schrill und banal sind.  

Credits:

Text: Brooke McCord

Themen:

Empfohlen auf

Mehr von