Life & Style

Dezember 11, 2017

Das war in Pradas Double Club in Miami los

Virgil Abloh, J.W. Anderson, Diplo und Ricky Martin waren nur einige Gäste auf Carsten Höllers Party-Projekt

  • Von Benoît Loiseau

Wenn ihr um 2008 in London wart, erinnert ihr euch vielleicht noch an den Double Club: einen merkwürdigen, kongolesisch angehauchten Pop-Up-Laden in einer düsteren ehemaligen Lagerhalle in North London. Der vom Künstler Carsten Höller erdachte und witzigerweise von Prada gesponsorte, vorläufige Club/Bar/Restaurant war acht Monate lang der Treffpunkt von Promis, Fashionistas und Club Kids. Wahrscheinlich wird es als verrücktester Club Londons in die Geschichte eingehen.

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Das Prada Double Club Miami Opening-Event. Foto: Pierre Bjork

Fast ein Jahrzehnt später wurde der Double Club im Rahmen der 16. Ausgabe der Art Basel Miami wieder zum Leben erweckt. Drei Tage lang konnten die Besucher die Nachbildung der experimentellen Kunst-Installation in einem 20er Jahre Filmstudio besuchen, in dem unter anderem Princess Nokia, Method Man und Black Madonna aufgetreten sind. Eröffnet wurde das Ganze mit einer Performance von Wyclef Jean, der prominenten Gästen wie Miuccia Prada, Hans-Ulrich Obrist, Chloe Wise und Ricky Martin inmitten des neon-beleuchteten tropischen Gartens eingeheizt hat.  

Der Prada Double Club Miami hatte – im Gegensatz zum Londoner Original – eine ästhetische Aufteilung zwischen schwarz-weißen und übertrieben bunten Zonen. Während der sandige Outdoor-Bereich und seine Palapa-Bar von bunten Neonlichtern beleuchtet waren, war der Innenbereich wie ein Ausschnitt aus einem Tim Burton-Film – schwarz, weiß und sonst nichts. “Ich achte sehr auf die Details”, erklärte Höller, der sogar die Türsteher angewiesen hatte, die bunten Strohhalme aus den Cocktails der Gäste zu entfernen, die in den Innenbereich eintreten wollten,, um so die ästhetische Identität zu bewahren.

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Virgil Abloh. Foto: Getty

Der in Belgien geborene deutsche Künstler ist für den interaktiven Charakter seiner Arbeiten bekannt – die oft mit der Bewegung der Relationalen Ästhetik assoziiert werden – , in denen Wahrnehmung und Entscheidungsfindung eine zentrale Rolle spielen. Für seine Umfrage in der Hayward Gallery im Jahr 2015 mussten die Besucher eine Reihe von Entscheidungen treffen: Tür A oder B, um in die Galerie einzutreten; eine Tablette von vielen schlucken; über eine von zwei riesige Rutschen aus der Galerie herausgespült zu werden. Das Gleiche galt auch für den Club in Miami, wo die Gäste sich für einen der zwei komplett unterschiedlichen Bereiche entscheiden mussten (später durften sie sich dann aber zwischen den beiden bewegen).   

Und obwohl der Spaßfaktor in Höllers Arbeiten offensichtlich sehr wichtig ist, geht der Double Club weit über die pure Unterhaltung hinaus. Es ist eine Reise, in der Kunst, Design und Musik parallel zueinander bestehen.

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“The Prada Double Club Miami”, ein Projekt von Carsten Höller, präsentiert von der Fondazione Prada Miami, 5.-7. Dezember 2017. Foto: Casey Kelbaugh, mit freundlicher Genehmigung der Fondazione Prada

“Manchmal lerne ich Kulturen durch die Musik kennen”, sagte uns Höller und deutete auf das karibische und südamerikanische Line-Up im Außenbereich. “Ich wollte diese Gemeinschaften feiern, die so wichtig für die kulturelle Struktur Miamis sind”, fuhr er fort. In der Zwischenzeit dominierte im Innenbereich schwere Electro-Musik von Acts wie der Londoner Mimi Xu (aka Misty Rabbit) oder dem Produzenten The Black Madonna aus Chicago.

Auch 2008 hat der Dialog zwischen westlichen und kongolesischen Kulturen im Mittelpunkt gestanden. Höller (der zwischen Schweden und Ghana pendelt) ist in den vergangenen 20 Jahren mehrfach in den Kongo gereist. Sein Interesse wurde ganz klar durch seine Kindheit in Belgien entfacht, dessen brutale Kolonialherrschaft das Land in Zentralafrika stark geprägt hat. “Ich wollte eine positivere Herangehensweise wählen”, erzählte Höller. “Der Kongo ist ein riesiges Land. Ich wollte die Kultur in all ihrer Lebendigkeit und Kraft feiern.”

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Hans Ulrich Obrist und Carsten Höller. Foto: Pierre Bjork

Natürlich ist die Art Basel Miami – einer der exklusivsten Augenblicke auf der internationalen kulturellen Agenda, wo das obere ein Prozent aus aller Welt zusammenkommt – nicht gerade der offensichtlichste Treffpunkt für einen authentischen kulturellen Austausch. Wurde die Vielfalt also zugunsten des glamourösen und Marken-schweren experimentellen Erlebnisses fallen gelassen? “In Miami gibt es eine ganz natürliche Vielfalt, und noch dazu ist die Art Basel an sich auch ein sehr internationales Event”, erklärte der Künstler. “Das Publikum war an allen drei Tagen sehr unterschiedlich.”   

Trotzdem wird der Double Club den meisten wahrscheinlich als coolste Installation der diesjährigen Ausgabe der Art Basel Miami in Erinnerung bleiben. Und wer weiß, vielleicht wird er ja im nächsten Jahr in einer Stadt in eurer Nähe aufgebaut: “Das ist nicht ausgeschlossen”, sagte Höller, der meint, dass viele seiner Arbeiten als eine Art Double Club verstanden werden können.

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“The Prada Double Club Miami”, A project by Carsten Höller presented by Fondazione Prada Miami, 5-7 December 2017. Photo: Casey Kelbaugh. Courtesy Fondazione Prada

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Text: Benoît Loiseau

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