Wellbeing

Dezember 21, 2017

Dieser neue Dokumentarfilm nimmt euch zu den höchsten Gipfeln mit

"Mountain" zeigt die schwindelerregende, atemberaubende Pracht der Berge

  • Von Colin Crummy

Noch vor drei Jahrhunderten wäre die Idee, Berge zu besteigen, als verrückt abgetan worden. Heute sind die höchsten Höhen eine Spielwiese für die Adrenalin-Süchtigen unter uns: Männer und Frauen, für die es nichts besseres gibt, als sich von Klippen zu stürzen,, aus Helikoptern auf ungesicherte Skipisten zu springen oder senkrechte Felswände ohne jeglicher Absicherung zu erklimmen.

In Mountain dokumentiert die Regisseurin Jennifer Peedom in schwindelerregenden Go Pro-Nahaufnahmen diesen todesmutigen Wahnsinn. Doch der Dokumentarfilm, der in Zusammenarbeit mit dem Australian Chamber Orchestra (ACO) entstanden ist, ist nicht im Stil von Red-Bull-Werbungen gedreht. Stattdessen verbindet Peedoms Film Aufnahmen aus aller Welt mit einem erstklassigen Soundtrack des ACO unter der Leitung des talentierten Violinisten Richard Tognetti, wodurch eine audiovisuelle Lobgesang auf die Gipfel der Natur entsteht. Und die Worte des renommierten Natur-Autoren Robert Mcfarlane, gesprochen von Willem Dafoe, untermalen perfekt unsere menschliche Faszination der Berge.

Wir haben uns mit Peedom über die anhaltende Faszination und die technischen Herausforderungen des Drehs unterhalten.

Die Bilder in Mountain stammen aus über 20.000 Stunden Filmmaterial, das du für den Film zusammengesucht hast. War der Großteil davon oder alles bereits gedreht oder wurden Teile auch extra für die Doku in Auftrag gegeben?
Der Haupt-Regisseur Renan Ozturk und ich hatten bereits für meinen vorigen Film, Sherpa, im Himalaya-Gebirge zusammengearbeitet und für den neuen Film neues Material gefilmt. Er hat uns aber auch Aufnahmen aus seinem unglaublichen Archiv zur Verfügung gestellt. Außerdem hat er uns mit dem kanadischen Produktionsunternehmen Sherpas Cinema bekannt gemacht, das das gleiche getan hat. Sie sind die besten in diesem Geschäft. Wir haben auch auf Archive anderer Abenteuer-Kameramänner und -frauen zurückgegriffen, wo es für die Geschichte notwendig war.

Wie stark hat die Erzählung aus Robert Macfarlanes Buch Mountains of the Mind die Geschichte in der Doku gelenkt?
Die Zusammenarbeit mit Robert ist ähnlich wie die musikalische Begleitung abgelaufen. Es war alles sehr natürlich. Einige Ideen stammen aus dem Buch, mussten aber stark komprimiert werden. Andere Ideen waren neu und kamen uns durch die Bilder.

Wie habt ihr die Szenen an den Klippen gedreht?
Die schwindelerregendsten Szenen sind für mich persönlich die, in denen eine GoPro an den Helm des Bergsteigers befestigt ist. Dadurch hat man das Gefühl, als würde man selbst die steile Felswand erklimmen. Viele der Szenen sind so bewegend, weil sie von Spitzen-Bergsteigern gedreht wurden, und zwar auf echten Expeditionen. Diese Leute sind großartig und zeigen die wahren Dimensionen der Berge. Auch Helikopter und Drohnen kamen oft zum Einsatz.

Richard Tognetti vom ACO hat Szenen oft als “Horror” beschrieben, in dem man dennoch eine “Pracht” erkennt. Wie hat sich diese Sichtweise auf den Dreh ausgewirkt?
Angesichts meines Hintergrunds in der Welt der Abenteuer war es toll, jemanden wie Richard mit im Boot zu haben, der das alles aus der Sicht eines Nicht-Kletterers sieht. Eine der Ideen, die ich in dem Film erkunden wollte, war die Kluft zwischen denen, die bereit sind, ihr Leben auf den Bergen zu riskieren, und allen anderen, die sie deswegen für verrückt halten. Richard war für diese zweite Perspektive sehr wichtig.

Die ersten Szenen, in denen der Free-Solo-Kletterer Alex Honnold einen knapp 750 Meter hohen Berg in El Portrero, Mexiko, besteigt, sind unglaublich. Was glaubst du treibt diese Bergsteiger dazu an, sich ungesichert in solche Höhen zu begeben?
Solche Menschen faszinieren mich, und Alex Honnold ist wahrscheinlich der extremste von allen. Es fällt mir immer noch schwer, bei den ersten Szenen hinzugucken. Ich war nicht dabei, als Renan den Free-Climb gefilmt hat, und hätte es wahrscheinlich an seiner Stelle auch gar nicht geschafft. Was diese Kletterer antreibt ist glaube ich eine Mischung aus Genen und Gehirnchemie. Sie ticken einfach ganz anders.

Wie ist deine Beziehung zu Bergen?
Ich bin als kletternde Kamerafrau in den Bergen gelandet und habe ein paar Expeditionen ins Himalaya-Gebirge mitgemacht, unter anderem war ich auch auf dem Mount Everest. Aber ich habe mich nie als Bergsteigerin gesehen – immer zuerst als Filmemacherin. Ich habe einfach eine gute genetische Veranlagung und kann auch in großen Höhen arbeiten, also wurden mir immer Jobs angeboten. Es war eine sehr intensive Zeit und ich hatte das Gefühl, das Leben zu 100 Prozent zu leben. Ich habe dabei viel über meine geistige Stärke, meine Grenzen und über emotionales Durchhaltevermögen gelernt. Es hat mich stärker gemacht.

Mountain läuft in ausgewählten Kinos.

Credits:

Text: Colin Crummy

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