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August 29, 2017

Warum ihr auf dem griechischen Festland übernachten solltet

Die Inseln Griechenlands sind verführerisch, aber fahrt lieber nach Chalkidiki, Thessaloniki und Peloponnes

  • Von Anastasiia Fedorova

Die meisten Leute, die nach Griechenland reisen, wollen vor allem viel Sonne tanken und dann abends bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang beobachten – und meistens wird das auf einer der 6.000 Inseln gemacht. Klar, die griechischen Inseln sind nicht so leicht zu übertreffen (denn von vulkanischen Klippen und eleganten Resorts bis hin zu abgeschotteten Stränden und Pinienwäldern ist alles dabei), aber das griechische Festland ist auch nicht zu verachten – vor allem, wenn ihr einen Roadtrip plant.   

Glatte, neu gebaute Straßen schlängeln sich durch Olivenhaine und an malerischen Küsten entlang und erlauben es einem, die komplexe Mischung des Landes aus Geschichte und Moderne genauer zu erkunden, als man auf den touristischen Inseln. Neue Infrastrukturen umgeben hier die Schätze der Antike; die landwirtschaftliche Großproduktion (für euer Olivenöl und euren Fetakäse) besteht neben totaler Wildnis; verlassene Läden und stillgelegte Marmorsteinbrüche zeugen im Stillen von der Wirtschaftskrise.

abandoned marble quarry 2

Am besten reist ihr im späten Frühling oder im frühen Herbst nach Griechenland – da ist es noch nicht ganz so unerträglich heiß und überfüllt, wie im Sommer. Wenn es aber um die Strecke geht, gibt es kein richtig oder falsch. Ich selbst bin 3.200 Kilometer in einem weiten Kreis im Uhrzeigersinn von Athen aus gefahren und habe mich nur vage an den Richtungen orientiert. Diese Taktik lässt euch am meisten Freiheit, aber es gibt unterwegs einfach ein paar Städte, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Peloponnes
Südwestlich von Athen liegt die Halbinsel Peloponnes, auf der mehr als eine Sehenswürdigkeit auf euch wartet, beispielsweise der Kanal von Korinth aus dem 19. Jahrhundert, ein hellblauer Wasserstreifen. Korinth selbst ist ebenfalls einen Besuch wert; dort sind die Ruinen der antiken Stadt, der Apollontempel sowie die Festung Akrokorinth zu sehen.

around Peloponnese 3

Das großartige antike Theater von Epidauros ist ein weiteres Muss: durch die besondere Akustik konnten die Sprecher im 2. Jahrhundert v. Chr. ganz ohne Mikrofon von mehr als 14.000 Zuschauern gehört werden. Viele der Ortsnamen in Peloponnes werden euch bekannt vorkommen: Sparta (die teilweise wie eine bonbonfarbene Vorstadt aussieht) und Kalamata (von den schwarzen salzigen Oliven, die hier tatsächlich überall in riesigen Olivenhainen wachsen).

Und ihr solltet auch auf jeden Fall an den Strand von Voidokilia fahren, wo die halbkreisförmige Küste in Messenien die perfekte Kulisse für eure nächsten Instagram-Fotos bietet.

Antike Stätten
Antike heilige Stätten und Kultstätten bieten den besten Einblick in die Menschheitsgeschichte – und in Griechenland gibt es davon so einige. Oft liegen sie fernab der Stadtzentren, am besten kommt man dort also mit Auto hin. Das Heiligtum von Dodona im Nordwesten ist die Fahrt auf den kurvenreichen Straßen wert: es stammt aus dem zweiten Jahrtausend v. Chr. und war das Zuhause der ältesten griechischen Orakelstätte.Spuren zahlreicher Kulte und Götter sind hier in den mit Moos bewachsenen Felsen, Marmorstücken und Eichenwurzeln geschichtet – und können in der Ruhe der Berglandschaft bewundert werden.   

Delphi 4

Um einiges bekannter ist die Stadt Delphi (die auch UNESCO-Weltkulturerbe ist), der ihr auch einen Besuch abstatten solltet, da hier auf dem Berghang einige beeindruckend gut erhaltene Kultstätten stehen. Leider ebbt die Flut der Touristen hier nie so wirklich ab.

Olymp
Wenn man den Olymp so betrachtet, kann man nachvollziehen, warum die Griechen der Antike geglaubt haben, er müsse der Sitz der Götter sein. Die sich ständig verändernden Wolkenformationen, die seine Spitze umhüllen, legen einem Nahe, dass dort oben etwas sein muss, dass der menschliche Verstand nicht verstehen kann. Auch aus weiterer Entfernung ist er imposant: eine tolle Kulisse für die weiten Felder, kleinen Dörfer und die scharchlachroten Mohnblumenwiesen.  

Poppies by Mount Olympus

Wenn man den Berg doch aus nächster Nähe sehen will, kann das etwas problematisch werden; die kurvenreiche Straße ist stellenweise sehr schmal, und manchmal können auch die sehr beschützerischen Schäferhunde zur Herausforderung werden – lohnen tut sich der Weg hoch trotzdem schon alleine für die Aussicht.

Chalkidiki
Die dreizackförmige Halbinsel Chalkidiki ist bei Touristen im Vergleich zu den griechischen Inseln noch relativ unbekannt, wird aber seit ein paar Jahren immer beliebter. Hier findet ihr einige der schönsten Strände des Landes: lange goldene  Sandstreifen und saphirblaues Wasser, die von grünen Wäldern und Bergen umgeben sind. Hier habt ihr eine große Auswahl an Möglichkeiten, was die Unterkunft angeht; von Hotels im Stil der 70er Jahre bis hin zu kleinen, friedlichen Dörfern ist alles dabei.

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Der Nordosten
Der Nordosten Griechenlands ist eine komplexe Verwicklung unterschiedlicher Kulturen. In der Hafenstadt Thessaloniki vermischen sich Elemente aus der Zeit des römischen und osmanischen Reichs mit der Geschichte der orthodoxen Christen und Alexander dem Großen. Unterwegs in Richtung der Stadt Xanthi bekommt man ein richtiges Gefühl für die Grenzgebiete – die Straßen führen durch verlassene Marmorsteinbrüche, zahlreiche Tunnel und kleine Dörfer in friedlichen Häfen. Auf dem Markt von Xanthi erinnert die Vielfalt an Sprachen, die hier gesprochen werden, daran, dass ein Großteil der Geschichte hier in diesem antiken Schmelztiegel der Kulturen geschrieben wurde.

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Credits:

Text & Fotos: Anastasiia Fedorova

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