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Oktober 2, 2017

Hier wird die beste Club Music der Welt gespielt

Marokko, Georgien, Kuala Lumpur, Bali, Kambodscha, Beirut und Brasilien

  • Von Brooke McCord

Das Dasein als DJ ist gewissermaßen geheimnisumwoben. Geht es tatsächlich nur um Partys und Drogen, oder ist ihr Alltag doch nüchterner und ernster?

Zwei Leute, die perfekt dafür geeignet sind, uns einen kleinen Einblick in ihr Leben zu geben sind die Berlinerin Anja Schneider und der in Marokko geborene DJ Amine K. Für Amine – der für seine gefühlvollen House- und Technosets sowie für seine Mission, mit seinen Moroko Loco Partys die Musikszene Marokkos zu erhalten, bekannt ist – geht es darum, Träumer auf eine Reise mitzunehmen und sie in einen Zustand der Euphorie zu versetzen.

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Amine K.

Anja sieht das ähnlich. Sie kommt aus Berlin und ist es gewöhnt, dass man locker mal die ganze Nacht durchspielt, und nicht nur ein Zeitfenster von anderthalb Stunden hat. Ihr geht es darum, ihrem Publikum ein Glücksgefühl zu verleihen. Beide laufen nicht Trends hinterher sondern bleiben ihrem jeweils eigenen Stil treu. Als sie sich gerade auf das Oasis Festival vorbereitet haben, das Mitte September zwischen der Sahara-Wüste und Marrakesch stattgefunden hat, haben wir uns mit ihnen über ihre Lieblings-Clubs und -Länder unterhalten. Und Georgien ist ganz weit oben auf ihrer Liste.  

anjaschneider_cover__DSC5584_webres_final_credit Patrice Brylla

Anja Schneider. Foto: Patrice Brylla

Wie hat es alles begonnen?
Anja Schneider: In den späten 80ern und frühen 90ern hatte ich die Möglichkeit, Hans Nieswant in Köln zu hören, und ich war damals total begeistert, weil es eine Art war, Musik zu präsentieren, wie ich sie noch nie vorher erlebt und gehört hatte. Mir war nie klar, dass ich das auch tun könnte. Ich war echt fasziniert, obwohl ich schon vorher ein großer Musik-Fan gewesen war. Ich hatte mehr daran gedacht, ein Radio-DJ zu werden, was dann auch mein erster Schritt in diesen Bereich werden sollte.  

Amine K: Ich habe mit 14 angefangen, als DJ zu spielen. Auf den Hauspartys meiner Mutter hat mein Onkel immer mit zwei Tapes und einem Mischpult den DJ gemacht, und als ich die Bewunderung und Zufriedenheit auf den Gesichtern der Leute sah, als er seine Musik auflegte, wurde mir klar, dass ich das auch machen wollte. Er gab mir ein Mischpult und ich brachte mir den Rest selbst bei.  

Wer waren während eurer Jugend eure größten Musik-Vorbilder?
Anja: Zuerst Depeche Mode und The Cure, später dann Nizzer EB und Front 242. Danach kam dann Acid House.

Amine: Meine Eltern haben viel französische Popmusik wie Adamo, Jaques Brel, Edith Piaf und Aznavour gehört, aber auch Musik von Künstlern wie Bob Marley, Jimi Hendrix, The Doors und all die Klassiker aus ihrer Zeit – Musik, die auch ich bis heute gerne höre. Später war ich großer Fan von Blues und HipHop, danach habe ich viel elektronische Musik gehört. Außerhalb der Clubs höre ich kein Techno, ich bin da eher der Funk, HipHop und Downbeat Typ.  

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Anja, wie hat dein Leben in Berlin dich als Künstlerin geprägt? Wo in Berlin hängst du am liebsten ab?
Anja: In Berlin bin ich zuhause. Ich komme aus einer sehr wilden Clubbing-Szene, in der es immer ehrlich, dunkel und verschwitzt zuging. Um ehrlich zu sein war das letzte Mal, dass ich in Berlin in einem Club gewesen bin, vor meiner Zeit als DJ. Aber ich liebe die Club-Szene immer noch, vor allem das Berghain/die Panorama Bar. Ich tanze aber auch gerne im Sisyphos oder in dunklen Underground-Clubs. Abgesehen von Clubs bin ich aber ein echter Gourmet, ich liebe es also, neue Restaurants auszuchecken. Vor Kurzem habe ich das PeterPaul in der Torstraße entdeckt, wo es richtig leckere deutsche Tapas gibt.

Auf welchem Festival habt ihr das erste Mal aufgelegt?
Anja: Auf dem Melt – eines der besten Festivals in der Nähe von Berlin. Es war damals total aufregend. Die Qualität ist wirklich hoch, auch heute noch. Außerdem erinnere ich mich auch gerne an das SonneMondSterne zurück, das zu Beginn meiner Karriere echt toll war.

Amine: Ich glaube, dass das Burning Man Festival alles nur kein Festival ist, aber gleichzeitig ist es auch einer der besten Orte der Welt.

Was genau reizt euch am Oasis-Festival?
Anja: Dass es in Marokko stattfindet. Ich will dort schon seit Jahren hin und bin so froh, dass ich die Möglichkeit habe, das Land zu sehen. Ich werde ein bisschen länger bleiben, um einen richtigen Eindruck vom Land und seinen Bewohnern zu bekommen, aber ich habe das Gefühl, dass es voll mein Ding sein wird. Die anderen Künstlerinnen, die dort auftreten werden, sind toll. Ich freue mich, dass es in dem Bereich immer mehr weibliche DJs gibt, es gibt nämlich so viele talentierte Frauen, die sich einen Platz auf der Bühne verdient haben.

Amine: Das Festival ist alles, was wir uns für die marokkanische elektronische Musikszene erhofft haben. Es ist ein unglaubliches Event, das von professionellen und engagierten Leuten organisiert wird. Das Team dahinter ist großartig, der Veranstaltungsort ist wunderschön, das Line-Up ist beeindruckend und die Atmosphäre eine ganz besondere. Dort spiele ich meine besten Sets.

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Wo gibt es eurer Meinung nach aktuell die besten aufstrebenden Szenen und warum?
Anja: Es ist immer interessant, in ein Land zu gehen, bei dem man keinerlei Erwartungen oder Vorstellungen hat. Georgien und der gesamte östliche Teil der Welt sind immer sehr inspirierend und überraschend gut. Es gibt dort eine ganz besondere Energie und ein tolles Verständnis von Musik.

Amine: Marokko hat eindeutig eine fantastische aufstrebende Szene, von den DJs über die Produzenten bis hin zu den Events. Es ist meine Heimat und ich habe die Entwicklung der elektronischen Musikszene hier mitverfolgt. In Marokko lege ich am liebsten auf. Die Leute hier reagieren sehr emotional: wenn du ihnen gefühlvolle Sounds bietest, geben sie dir das Hundertfache an positiven Gefühlen zurück. Sie schreien, sie weinen, man bekommt einfach eine sofortige, ehrliche Reaktion auf seine Musik. Das kann man nicht kaufen. Außerdem aber auch Kuala Lumpur, Bali, Kambodscha, Beirut und Brasilien. Es gibt sicher noch viele andere Länder, und ich kann es kaum erwarten, sie zu entdecken.

Was motiviert euch, wenn ihr ständig unterwegs seid?
Anja: Der Gedanke daran, danach wieder zurück nach Hause zu kommen und nach dem Gig mit meiner Familie zusammen sein zu können.

Amine: Das Leben eines DJs ist hart, aber ich liebe es, weil ich in meinem Job nicht zu viel nachdenke, sondern einfach mache. Ich stelle mich selbst auf Autopilot ein und mache meinen Job und genieße es total.

Welche aufstrebenden DJs könnt ihr uns empfehlen?
Anja: Derek Plaslaiko inspiriert mich mit seinen positiven Vibrations und seiner bezaubernden Aura sehr, wenn er spielt. Avalon Emerson wegen ihres Muts, etwas anderes zu machen. Man fühlt, wie gelassen sie ihren Erfolg nimmt und wie wichtig ihr ihre Fans sind. Außerdem noch Edward, wegen seines Grooves.  

Amine: Es gibt da viel zu viele, also nenne ich mal die aus Marokko. In letzter Zeit stehe ich echt auf Jaza. Er ist jung, leidenschaftlich und eine wahre Goldmine, wenn es um kulturelle Musik geht. Er versteht es, seine Zuhörer auf eine Reise mitzunehmen. Bei den Produzenten wären das Jalil B, Mr ID oder Chouaib El Assaad.

Anja Schneider’s ‘SoMe’ album kommt am 3. November heraus. Hier könnt ihr euch ‘All I See’ anhören, die erste Preview des Albums.

 

Credits:

Text: Brooke McCord

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