Travel

Oktober 20, 2017

Kiew: Wo Plattenbauten und Blumenfelder aufeinander treffen

"Es ist ein wenig wie wenn man vor einer Sekunde noch sehr traurig gewesen ist und plötzlich lacht”

  • Von Anastasiia Fedorova

Die ukrainische Hauptstadt Kiew lockt mit ihrer Architektur, der komplexen Geschichte und lebendigen Partyszene jedes Jahr Besucher aus aller Welt an. In der Stadt herrscht eine ganz besondere Atmosphäre und sie ist für viele aufstrebende Fotografen eine Quelle der Inspiration – so auch für den gebürtigen Vladislav Andrievsky.

Andrievsky dokumentiert das Leben in den unscheinbaren Ecken der Stadt, seit ihm seine Mutter eine Kamera und ein paar Rollen Film gegeben hat, bevor er als Kind zu einem Sommercamp gefahren ist. Seitdem erkundet er durch die Fotografie die Welt.

23

28

Kiew hat rund 2, 8 Millionen Einwohner und wird vom Dnejpr in zwei Teile geteilt. Das Stadtzentrum liegt rechts vom Fluss, während die linke Seite eher aus den für Osteuropa typischen Wohnblöcken besteht. Andrievsky hat sich schon immer für diese Gegenden interessiert, weil er wusste, dass diese scheinbar eindrucksvollen Viertel eigentlich sehr behaglich sind und eine einzigartige Kombination aus städtischen und ländlichen Elementen sind.  

2

17

“Anfang des Jahres habe ich noch im Troieshchyna Viertel auf dem linken Ufer gewohnt, und habe es sehr gemocht”, sagt er. “Ich bin an hohe Plattenbauten gewöhnt und finde sie nicht wirklich hässlich. Neben meinem Block gab es ein Feld, und dort habe ich mit meinen Freunden sehr viel Zeit verbracht…ich liebe die Atmosphäre von Kiew. Es ist schwer zu erklären, aber es ist ein wenig wie wenn man vor einer Sekunde noch sehr traurig gewesen ist und plötzlich lacht. Oder wie eine Person, die sehr grimmig aussieht, tatsächlich aber sehr offen ist. Dieses Gefühl versuche ich auf meinen Fotos festzuhalten.”

1

15

Am meisten verändert sich das Stadtbild über die extremen Jahreszeiten hinweg. Kiew im Sommer und Kiew im Winter sehen wie zwei komplett verschiedene Städte aus: im Sommer ist es eine lebendige Hauptstadt, im Winter eine dunkle, strenge Metropole. Mit seinen Fotos will Andrievsky beide “Gesichter” der Stadt und ihren Einfluss auf die Bewohner zeigen. “Im Sommer ist die Stadt viel lebendiger. Sommer bedeutet Freiheit: jeder fährt aufs Land oder an den Strand und macht tags und nachts Spaziergänge”, sagt er.  

25

24

“Im Winter sind die Straßen verschneit, morgens und abends ist es sehr dunkel, es ist kalt und manchmal auch irgendwie sehr trist. Der Winter ist wie eine lange, beschwerliche Reise, als würde man einen langen Weg zurücklegen und über alles nachdenken und Pläne machen. Manchmal ist es schön, manchmal aber auch sehr dunkel – aber nach dem Winter kommt wieder der Sommer.” 

10

Credits:

Text: Anastasiia Fedorova

Themen:

Empfohlen auf

Mehr von