Travel

June 12, 2017

Der St. Petersburg-Guide für Gosha-Fans

Anlässlich der anstehenden Show des Designers verraten wir euch die besten Tipps für Russlands alte Zarenstadt

  • Von Anastasiia Fedorova
  • Fotos Daria Piskareva

Gosha Rubchinskiy hat die Explosion des neuen Interesses an Russland und seiner neuen Generation maßgeblich vorangetrieben. Er hat nicht nur den grundlegend russischen Stil in die Welt gebracht, sondern auch das unerschrockene Lebensgefühl der ersten Generation von Russen festgehalten, die sich nicht mehr als postsowjetisch definieren.

Diesen Monat wird Rubchinskiy in St. Petersburg im Rahmen seiner Kollaboration mit Adidas eine neue Kollektion zeigen. Im Gegensatz zur letzten Location seiner Modenschau in Kaliningrad ist St. Petersburg ein weltberühmtes, kulturelles Reiseziel, eine Stadt voller kaiserlichen Glanzes, die früher auch Russlands „Fenster nach Europa“ genannt wurde. Es ist außerdem auch eine Stadt, die von einer einzigartigen, jugendlichen Romantik geprägt ist und – für Rubchinskiy – ein Ort voller persönlicher Geschichten und Erinnerungen ist, die seine künstlerische Vision bestimmen.  

IMG_1559

In St. Petersburg ist eines der wichtigsten visuellen Werke von Rubchinskiy entstanden, Transfiguration. Er hat das fotografische Projekt in New Holland realisiert, einem kreativen Veranstaltungsort auf einer künstlichen Insel aus dem 18. Jahrhundert im Herzen der Stadt. Dort gab es damals auch eine Skateboard-Bowl, in der Rubchinskiys Skate-Crew voll in ihrem Element war und die der Designer und Fotograf auf eindringlichen Porträts dabei eingefangen hat (und sie später im Buch mit orthodoxen Kirchen, klassischen Statuen und Gemälden sowie Landschaften, die die Stadt umgeben, kombiniert hat). Die Gegenüberstellung der ernsten Darstellung der Jugendlichen und der unterschiedlichen kulturellen Symbole ist seitdem zum Markenzeichen Rubchinskiys geworden und fängt die Atmosphäre der einzigartigen Romantik in St. Petersburg ein.  

Vor Rubchinskyis nächster Show verraten wir euch die besten Tipps für die russische Stadt mit dem größten Romantik-Faktor.

Geschichte
St. Petersburg, das von den renommiertesten Architekten aus Italien und Frankreich erbaut wurde, sollte das Aushängeschild des neuen, westlich geprägten Russlands werden. Daher trifft man in der Stadt auch immer wieder auf eine Mischung aus der Eleganz und Gelassenheit europäischer Hauptstädte und den gewaltigen Dimensionen, die für Russland so typisch sind – ein surreales Bild von Europa, erträumt von einem Größenwahnsinnigen. Da St. Petersburg zwei Jahrhunderte lang die Hauptstadt des Russischen Zarentums gewesen ist, stehen hier zahlreiche Paläste in unterschiedlichen Baustilen: der Winterpalast, das Schloss Mikhailovsky, der Stroganow-Palais und der Alexanderpalast sind einige davon. Dank der vielen Kanäle wird die Stadt manchmal auch das Venedig des Nordens genannt. Im Sommer wird die Schönheit des Stadtbilds durch das Phänomen der Weißen Nächte verstärkt – ein paar Wochen über um den Hochsommer rum, wenn die Nacht praktisch nicht existiert und die hellen Stunden der lila-goldenen Dämmerung den Fluss Neva in flüssiges Metall verwandeln.

Underground-Szene
St. Petersburg ist nicht nur seines historischen Erbes und der klassischen Kultur wegen ein unglaublich beliebtes Reiseziel – sondern auch wegen der Verschmelzung eben dieser Elemente mit der starken kulturellen Energie des Nonkonformismus und der Unabhängigkeit. Als zweitgrößte Stadt Russlands hat St. Petersburg Moskau schon immer Konkurrenz gemacht und gilt bis heute als Alternative für freidenkende Künstler und Kreative. Doch es gibt hier noch so viel mehr als die königlichen Paläste und das Ballett: in den 1980er Jahren war St. Petersburg das Zentrum der Underground-Rockkultur und der Kunstszene (zu der beispielsweise Timur Novikov gehört, der Rubchinskiy seit Beginn an inspiriert). Im Pushkinskaya 10 Kunstzentrum kann man einige Erinnerungen an das rebellische Jahrzehnt bestaunen.     

005A1438

Architektur
Die Atmosphäre der andersartigen, nicht allzu hübschen Stadt könnte man auf die Mischung städtischer Elemente aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten zurückführen: die Silhouette von industriellen Hafenkränen über dem Fluss, die verfallende utopische Vision sowjetischer Architektur (das Kuryokhin Art Center auf der Wassiljewski-Insel oder der konstruktivistische Kulturpalast sind zwei perfekte Beispiele dafür), imposante, düstere, moderne Gebäude (wie das berühmte Haus von Tolstoi). Am Rande der Stadt steht das große Moskovsky Prospekt, das optisch an die Berliner Karl Marx Allee erinnert. Die Gegend um die Lenin-Statue herum haben die Skater für sich erobert – ein weiterer Beweis für die Vielseitigkeit der Stadt.

Bars
Die besten Bars mit cooler Atmosphäre sind die kleinen Bars – St. Petersburg ist als russische Hauptstadt der Bars bekannt. Im Sommer kann man gemütlich ein bisschen Bar-Hopping machen: der hell leuchtende Himmel, günstige Drinks, eine entspannte Atmosphäre und viele nette Leute. Im Khroniki gibt es ein junges, hippes Publikum und großartige Cocktails (probiert auf jeden Fall die Spezialität, Free Ingria), im Redrum bekommt ihr lokales Craft-Bier, und in der Vodkabar Café Mayak könnt ihr euch in authentischem sowjetischem Ambiente günstige Drinks bestellen. Im Union kann man gut vor dem Abendessen einen Drink nehmen; und dann gibt es da noch das israelische Restaurant und die Bar Bekitzer für Shots und Snacks. Die immer gut gefüllte Terminal Bar und der Jazzclub The Hat sind bei den Bewohnern abends am beliebtesten.  

0pXwjFi8Dzs

Restaurants
Das Clean Plates Society ist ein schlichtes Lieblingsrestaurant vieler St. Petersburger. Im Restaurant, zu dem auch eine Bar gehört, bekommt ihr einfache, günstige Gerichte und ziemlich gute Cocktails. Das Co-op Garage ist ein guter Tipp für eine Pizza und ein Craft-Bier zwischendurch. Die Pif-Paf Bar serviert ausgezeichnete Burger und Cocktails (und nebenbei könnt ihr euch dort auch noch gleich eine neue Frisur verpassen lassen). Einer der interessantesten Food-Trends in Russland ist zur Zeit die neue russische Küche. Der Gedanke ist ähnlich wie bei der neuen Nordischen Küche: schlichte, geschmackvolle Produkte in unerwarteten Zusammenstellungen. Die besten Restaurants hierfür sind das Cococo im W Hotel und das schwer auszusprechende Moroshka dlya Pushkina.    

D03A0250

Hotels
St. Petersburg hat einige luxuriöse Hotels im Angebot, wobei das W ohne Frage das hippste ist. Im Turgenev House könnt ihr in einem Apartment übernachten, das im russischen imperialen Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet ist. Um aber näher an der jugendlichen, kreativen Energie der Stadt dran zu sein, solltet ihr am besten in einem der kreativen Räume unterkommen, die in verlassenen Palästen und stillgelegten Fabriken errichtet worden sind. Das Taiga beispielsweise, das nur wenige Minuten von der Eremitage entfernt ist, ist ein Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, das von jungen Entrepreneurs in ein kreatives Zentrum mit einer Reihe von Cafés, Boutiquen, Ateliers und einem Hostel umgestaltet wurde. Zum Loft project Etagi gehört ebenfalls ein Hostel mit drei Boutique-Zimmern. Es ist bei Kulturinteressierten sehr bekannt (checkt die Cafés, Ausstellungen und den Otdel Store aus, in dem Skater alles bekommen, was ihr Herz begehrt). 

IMG_1546

Credits:

Text: Anastasiia Fedorova
Fotos: Daria Piskareva

Themen:

Empfohlen auf

Mehr von