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Februar 4, 2016

Edge of Reason: The Temples of Humankind

Die neue Reise-Serie von Amuse enthüllt die außergewöhnlichsten Orte der Welt—und macht mit dem riesigen unterirdischen Damanhur-Komplex in Italien den Anfang

Edge of Reason ist die neue Reise-Serie von Amuse. Wir nehmen euch an die außergewöhnlichsten Orte der Welt mit, besuchen die Gegenden, die man mit eigenen Augen gesehen haben muss, um zu glauben, dass sie wirklich existieren— Orte, die noch dazu der Öffentlichkeit zugänglich sind. In der ersten Folge schauen wir uns in den unterirdischen Tempeln der Menschheit in Damanhur um. Knapp 50 Kilometer nördlich von Turin haben die Tempel am Fuße der italienischen Alpen 1978 als ungewöhnliches Geheimnis begonnen—und sind heute der größte unterirdische Komplex der Welt. 

Hier erklärt Daniel Pinchbeck, ein radikaler Philosoph und Autor des Kultbuchs „Den Kopf aufmachen: Eine psychedelische Reise ins Herz des Schamanismus“ den Zusammenhang zwischen Pflanzen, die Musik machen, esoterischen Ritualen und der Geschichte hinter Damanhur.

Die moderne Kultur ist sehr gut darin, die Menschen davon zu überzeugen, dass es nur eine mögliche oder sogar denkbare Lebensweise gibt. Der Großteil der Menschen lebt in Städten, benutzt Computer und erfreut sich an den Vorzügen des Fortschritts unserer Zeit. Wir glauben, dass Technik-Gadgets wie Computer, Handys und Teilchenbeschleuniger der Beweis dafür sind, dass unsere Zivilisation die beste und schlauste überhaupt ist. Die Leute verfolgen gebannt Sportmannschaften, die Politik und Fluktuationen an der Börse. Es überrascht uns also vielleicht, wenn wir erfahren, dass es auch andere Kulturen gibt, die grundlegend andere Vorstellungen, Ziele und Prinzipien haben. Manche davon scheinen sogar auf alternative Lebenswege hinzuweisen, die die Menschheit einschlagen könnte.

Damanhur—eine esoterische Gemeinschaft in Italien—ist zur Zeit eine der am besten entwickelten und radikalsten Alternativen der Welt. Viele von uns würden die Gemeinschaft von 600 Leuten in Piedmont, einer Alpenregion in der Nähe von Turin, wahrscheinlich für äußerst bizarr und sehr weit hergeholt halten. Seit den 19070ern glauben und leben die Damanhurianer nach einer Mischung aus Ideen und Bräuchen der Hippies, der New-Age-Bewegung und der Esoterik. Diese beinhalten Gruppen-Meditationen, Rituale und die sogenannte Energiearbeit.

In Damanhur werden auch regelmäßig Pflanzenkonzerte veranstaltet, bei denen die Pflanzen mit Elektroden verkabelt sind und die musikalischen Beiträge von Musikern mit ihren eigenen Melodien begleiten. Der Gründer von Damanhur, Falco—ein ehemaliger Versicherungsmakler, Künstler und eher sanfter Guru—ist vor drei Jahren gestorben. Doch sein Tod hat der Gemeinschaft offenbar keinen Abbruch getan—sie wächst stetig und verbreitet ihre Philosophie auf der ganzen Welt.

Damanhur wurde in den frühen 1990er Jahren berühmt, als die Welt von den Tempeln der Menschheit erfuhr—die außergewöhnlichen Säle, die kunstvoll mit wunderschönen Fresken und Kristallen aus den Alpen geschmückt sind. Das Projekt konnte 16 Jahre lang in absoluter Verborgenheit durchgeführt werden. Die Männer haben die unterirdischen Räume mit Spitzhacken und Schaufeln in den Berg gegraben, und die Frauen trugen die Steine nach oben.

Als die italienische Regierung von dem Komplex erfuhr, wollte sie ihn zunächst schließen lassen. Doch sie war selbst total von der Pracht der künstlerischen Arbeiten fasziniert. Nach einer Reihe von Gerichtsverfahren wurde schließlich entschieden, dass die Bewohner Damanhurs ihre Tempel, die mittlerweile als das „achte Weltwunder“ bezeichnet werden, weiterhin benutzen dürften.

Damanhur hat außerdem etwas ähnliches wie das Zunftwesen wieder aufleben lassen, das im Mittelalter von Kunsthandwerkern eingeführt wurde. Viele Damanhurianer legen ihre Ressourcen zusammen und leben mit 10-20 Personen in Wohngemeinschaften. Dort strebt jeder auf unterschiedlichen Weisen nach der esoterischen Selbstentwicklung und lernt diverse Handwerke und Heilmethoden. Die Gemeinschaft sucht das Gleichgewicht mit der Natur und nutzt die Technik, um ihren spirituellen Zielen näher zu kommen.

Den Bräuchen und Zeremonien der Gemeinschaft liegt der Glaube an eine okkulte Kosmologie mit außerirdischen Lebewesen und der uralten verschollenen Zivilisation von Atlantis zugrunde. Laut der damanhurianischen Überlieferung soll Falco als Kind in Turin besondere psychische Fähigkeiten gehabt haben, die es ihm erlaubten, sich an ein längst vergangenes Leben zu erinnern, in dem er Teil einer spirituellen Gemeinschaft gewesen ist, die in aufwendig gemeißelten Tempeln lebte.

Falcos Traum war es, in Damanhur die friedliche, gehobene Gesellschaft  aus seinen Visionen mit einem Fokus auf die Erleuchtung und geführt von spirituellen Kräften nachzubilden. Es hört sich vielleicht weit hergeholt an, doch ist sein Traum tatsächlich so viel abwegiger, als die Ziele unserer postmodernen Gesellschaft, die stets bemüht ist, das Wachstum und die Industrie voranzutreiben, auch wenn es schon lange mehr ist, als die Erde ertragen kann? Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat der französische Philosoph Andre Malraux geschrieben: „Das 21. Jahrhundert wird spirituell sein – oder es wird es nicht sein.“ So verrückt es auch klingen mag, könnte der Erfolg von Damanhur nahelegen, dass diese Aussage sehr wohl ihre Richtigkeit hat.

Damanhur | http://www.damanhur.org

Die Tempel der Menschheit| http://thetemples.org

Regie: Tom Ivin

Kamera: Yannick Hausler
Erzählerin: Louise Brealey

Schnitt: Tom Ivin
Colorist: Dan Gill
Sound Mixer: Dylan Leadley-Watkins
Musik: Jingle Punks

Global Executive Producer: Ravi Amaratunga
Commercial Creative Director: Bunny Kinney
Talent Producer: Declan Higgins
Associate Producer: Matthew Whitehouse
Associate Producer: Kate Villevoye
Produktionsassistentin: Lily Rose Thomas
Special Thanks: Xerxes Cook, Formica, Bertuccia, Barys and all at Damanhur.

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