Art & Design

July 21, 2017

Wie Skateparks unsere Städte prägen

In Athen wird auf Marmorböden und in einem Pavillon aus dem 19. Jahrhundert geskatet

  • Von Anastasiia Fedorova

Skateboarden wurde schon immer von einer körperlichen Interaktion mit der Stadt angetrieben – dem Wunsch danach, sie sich unterzuordnen, ihre Regeln neu zu schreiben und den Status Quo infrage zu stellen. Die unbeständige Mischung aus Lärm, Schweiß, Anmut und jugendlicher Coolness haben das Skateboarden zur kultigen Subkultur werden lassen, gleichzeitig hat sie aber auch die Städte geprägt, in denen wir leben.

Seit den späten 1960er Jahren, als Skateboarder aus Kalifornien trockengelegte Pools für sich beansprucht und damit riskiert haben, von der Polizei bestraft zu werden, bis 2015, als Londons Southbank zum Symbol des Widerstands gegen die schleichende Gentrifizierung geworden ist – das Skateboarden hat sein radikales Potenzial beibehalten, bestehende Machtstrukturen herauszufordern.

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Diese Orte sind schon seit vielen Jahrzehnten wesentliche Bestandteile der Stadt: von weitläufigen, zweckbestimmten Beton-Skateparks bis hin zu vorstädtischen DIY-Rampen. Heute jedoch gibt es eine neue Welle von Skateboard-Projekten, in denen erstklassiges Design und Architektur miteinander verschmelzen. Latraac im Herzen Athens ist eines der neuesten Projekte, die hochmoderne Skateparks entstehen lassen. Der 300 Quadratmeter große Outdoor-Bereich im Viertel Kerameikos ist von schweren Steinmauern umgeben und ist ein städtischer Garten mit einer großen Skate-Bowl aus Sperrholz als Herzstück.     

Der Gründer von Latraac, der griechische Architekt Zachos Varfis, war schon vorher ein Fan vom Skateboarden, die Arbeit an dem Projekt war für ihn also eine perfekte Mischung aus Arbeit und Leidenschaft. Varfis hat die Bowl mit hilfe einer Software für digitale Fabrikation designt und sie fast in Handarbeit innerhalb von zwei Jahren selbst gebaut – eine beeindruckende Fusion von Technologie und Handwerkskunst. Abgesehen von der Bowl gehören zum außergewöhnlichen Design des Laatrac Marmorböden aus dem 19. Jahrhundert, die einst in einem der Häuser in der Nähe gelegen haben, ein kleines Pavillon-Café und ein Garten, der von Miyon Yoo & Isabel Sanders gestaltet wurde.

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“Das erste Mal ist mir die Idee für dieses Projekt in Kerameikos gekommen, als die Gegend in Athen noch nicht so beliebt war, das war so um 2007 rum”, erklärt Varfis. “Es ist eine wirklich zugängliche Lage im Stadtzentrum. Ich wollte nie einen typischen Skatepark bauen, weil ich die Atmosphäre einfach nicht mag. Laatrac war in meiner Vorstellung immer schon eine Gartenfläche mit einer Rampe und einem Café. Mit diesem Projekt, in dem Elemente benutzt werden, die schon früher hierher gehört haben, lassen wir eine hybride Identität aus dem neuen und alten Athen entstehen.”

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Latraac ist das perfekte Beispiel für die nächste Version eines Skateparks, die nach DIY-Versuchen und kommerzielleren Projekten kommt. Der moderne Skateboard-Ort vereint künstlerische Perspektive, gesellschaftliche Funktion und einzigartiges Design in sich, und es finden sich überall auf der Welt bereits Beispiele dafür. Die La Iglesia Skate in Llanera in Spanien beispielsweise, eine Kirche aus dem Jahr 1912, die in eine Symphonie aus Licht, Bewegung und Wandgemälden von Okuda San Miguel verwandelt wurde. Oder das PAS Skate House in Malibu von Francois Perrin, eine Verbeugung vor einer modernistischen, utopischen Vision. Und den Wheels Park, der im Dunkeln leuchtet und von der Künstlerin Koo Jeong A in Everton, Liverpool, designt wurde (sie hat zuvor schon einen ähnlichen Skatepark namens  OTRO im ländlichen Frankreich entworfen).     

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Manchmal geht es bei dem Design darum, das Material zu verwenden, das man vor Ort vorfindet: in Pietrasanta wurde der Land of Marble Skatepark aus recycelten Marmorplatten gebaut, die in einer stillgelegte Marmorfabrik gefunden wurden. Und in Hastings steht der weltgrößte Source BMX und Skatepark auf dem Gelände eines ehemaligen viktorianischen Schwimmbad-Komplexes, der sonst dem Verfall überlassen worden wäre.  

Skateboarder haben die Städte und Skate-Orte schon immer ein bisschen weniger steril, perfekt und um einiges lebendiger gemacht. Nun gibt es eine neue Generation von Designern und Architekten, die genau das gleiche Ziel vor Augen haben.

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Credits:

Text: Anastasiia Fedorova

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