Wellbeing

October 19, 2016

Was du im Dschungel vom Leben lernen kannst

Pack’ deinen Koffer, buch’ dir einen Flug nach Brasilien und komm’ als veränderter Mensch in den Alltag zurück

  • Written by Alexandra Bondi de Antoni

Ich habe die letzte Woche im Dschungel von Brasilien verbracht, um mehr über die Arbeit von Veja mit den dort ansässigen Kautschukzapfer-Gemeinden zu lernen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Regenwald vor der Abholzung zu bewahren und gegen den Klimawandel anzukämpfen. Veja ist eine nachhaltige Schuhmarke aus Frankreich, die fair produzierte, stylische Sneakers anbietet und den Naturkautschuk, der für die Sohlen und Vs auf jedem Schuh verwendet wird, von eben diesen Gemeinden in Brasilen kauft.

Ohne große Erwartungen bin ich ins Flugzeug gestiegen, um nach einer Woche Dschungel als veränderter Mensch zurückzukommen. Einerseits lernt man so allerlei Dinge, die für das (Über-)Leben im Dschungel wichtig sind: Wie zum Beispiel, dass man sich für den maximalen Komfort am besten so quer wie möglich in die Hängematte legen muss; dass es keine besonders gute Idee ist, zu zweit über eine improvisierte Dschungelbrücke zu gehen (ich habe miterlebt, wie zwei Herren fast in Zeitlupentempo ins Wasser gefallen sind—klingt lustig, war es auch) und dass Cargohosen wirklich praktisch sind (was ich vorher beim besten Willen nicht glauben wollte—vielleicht ist es Zeit für ein Cargohosen-Comeback in der Mode?). Andererseits macht so eine Woche in der Abgeschiedenheit etwas mit einem innen drin. Die Gedanken verlangsamen sich, die Gespräche werden intensiver und der Kopf ist auf einmal ganz frei. Die alltäglichen Probleme, die sich so groß und unbezwingbar anfühlen, wirken plötzlich ganz klein und unbedeutend. Um ein bisschen Gelassenheit ins kalte Berlin zu bringen, habe ich ein paar Dinge zusammengetragen, die mich diese Woche gelehrt hat und die dich im stressigen Alltag vielleicht auch auf andere Gedanken bringen werden.

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Die Welt dreht sich auch noch weiter, wenn du deine Social-Media-Kanäle ein paar Tage nicht checkst und updatest
Auch wenn es vielleicht angsteinflößend klingt: Die Welt wird noch stehen, wenn du nach ein paar Tage Offlinesein zum ersten Mal wieder dein Feed checkst. Probiere es einfach mal aus und schau wohin deine Gedanken wandern, wenn du keine Möglichkeit hast, dich mit Scrollen, Liken und Posten ablenken zu können. Ich verspreche dir, du wirst auf die eine oder andere interessante Sache draufkommen. Wenn du nach deinem Social-Media-Detox das erste Mal wieder online bist, wirst du merken, wie lächerlich die Onlinewelt sein kann.

Echte Gespräche sind mehr wert als jedes Gechatte
Ja, ja, wir alle tun es und werden auch so bald nicht damit aufhören: Chatten ist witzig, Chatten lässt zu lange dauernde Arbeitstage schneller vergehen und Chatten ist wohl die Nummer 1 der Kommunikationsformen der Generation Y. Und trotzdem ein kleiner Rat: Triff dich mit Menschen, die dir wichtig sind, öfter auf einen Kaffee und schau’ ihnen in die Augen, wenn du mit ihnen sprichst. Leg’ dein Handy weg und lies ihre Körpersprache und ihre Mimik—auch, wenn es das Klischee schlecht hin ist, sagen Blicke und Gesten mehr als 1000 Worte. Glaub mir, magischere Dinge werden passieren, wenn du jemandem direkt anschaust, als wenn du ihm das nächste Emoji schickst und im nächsten Moment schon dran zweifelst, ob es überhaupt das richtige für die Situation war.

Du hast nur den einen Körper, also kümmere dich gut um ihn
Ich hatte die einmalige Gelegenheit Teil eines Waschrituals zu sein. Wir waren halbnackt irgendwo im Nirgendwo und uns wurde Wasser, das aus einer Naturquelle stammte, über den Körper gegossen. Dazu strich uns die Ritualführerin über den Kopf—ich habe mich noch nie zuvor so eins mit meinem Körper gefühlt. Es wird wahrscheinlich schwer sein, jemanden in Berlin zu finden, der ein solches Ritual durchführen kann, du kannst jedoch für dich selber kleine Bräuche einführen, um dir klar zu werden, dass du nur den einen Körper hast, den du schützen, pflegen und lieben musst. Auch wenn es manchmal schwerfällt, ist es wichtig, gegen die dunklen Gedanken anzukämpfen und zu verstehen, wie einzigartig der Körper ist, in der Art wie er funktioniert, dich trägt und dich am Leben hält. Nimm ein langes Bad, schau dich nackt im Spiegel an und sag Ja zu dir selbst.

Durchatmen macht alles besser
Leg’ deine Hände auf den Bauch. Die rechte oben und die linke unten. Schließ’ die Augen und atme tief durch die Nase ein und aus. Merkst du, wie sich die Knoten im Kopf langsam aber sicher auflösen?

Alles braucht die Zeit, die es nun mal eben braucht
Wenn man im Alltag steckt, hat man oft das Gefühl, dass man der Zeit hinterherrennt, anstelle sie zu kontrollieren. Im Dschungel spielt Zeit keine Rolle. Du stehst mit dem Sonnenaufgang (gegen 5:30 früh) auf und gehst nach dem Sonnenuntergang schlafen. Dazwischen lebst du und schaust nicht auf die Uhr, weil warum solltest du auch? Du musst nirgends sein und niemand erwartet dich. Es ist schon klar, dass das im echten Leben nicht immer machbar ist, jedoch hilft es schon, die Zeit manchmal einfach die Zeit sein zu lassen und sich nicht wegen der viel zu knappen Deadline zu stressen. Alles braucht nun mal so lange, wie es braucht, und niemand wird sterben, wenn du dein Projekt am Morgen nach der Deadline abgibst.

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Der Klimawandel ist real und muss bekämpft werden
Wir alle wissen über den Klimawandel und die Abholzung des Regenwalds Bescheid, dennoch ist es noch einmal etwas Anderes mit den direkt Betroffenen zu sprechen und die Folgen mit den eigenen Augen zu sehen. Veja hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit den Leuten in den brasilianischen Communitys und der Regierung von Acre (dem Teil von Brasilien, in dem sich die Communitys befinden) gegen dieses riesige Problem zu kämpfen. Wir haben nur die eine Welt und diese muss geschützt werden. Viel zu viel Schindluder wurde schon mit ihr betrieben und es ist unsere Aufgabe, so gut es geht dagegenzuhalten und unseren Teil zu einer besseren Zukunft beizutragen. Wenn du dich über das Thema informieren willst, lege ich dir die Webseiten von Greenpeace und des WWFs ans Herz.

Veja.fr

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Credits:

Text und Fotos: Alexandra Bondi de Antoni

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